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Harnstoffauswertung

 

Beurteilung des Milchharnstoffgehaltes

Auf dem Ergebnisbericht der monatlichen Milchleistungsprüfung ( MLP ) wird für jede geprobte Kuh auch der Harnstoffgehalt der Milch ausgegeben. Die Auswertung der Harnstoffwerte wird, leicht verständlich und übersichtlich, in einer Punktegrafik dargestellt. Diese Harnstoffauswertung ist neben der Grundfutterprobe die Voraussetzung für eine optimale Gestaltung der Futterration.

Im Hinblick auf die Protein- und Energieversorgung sind der Harnstoff- und Eiweißgehalt der Milch sehr aussagefähig. Das Rohprotein wird im Pansen weitgehend zu Ammoniak (NH3) umgewandelt, welches den Bakterien als Nahrung dient. Überschüssiges Ammoniak gelangt über das Blut zur Leber und wird dort durch die Bildung von Harnstoff entgiftet. Der Harnstoff wird zum größten Teil über den Harn ausgeschieden. Ein kleiner Teil geht in die Milch über und kann als Milchharnstoff gemessen werden.Das für das Tier letztlich im Dünndarm nutzbare Rohprotein (nXP) einer Futterration setzt sich zusammen aus dem im Pansen unabgebautem Futtereiweiß (10 bis 45 % je nach Futtermittel), welches als direkte Eiweißquelle dient und aus dem im Pansen zu Ammoniak abgebaute und wieder mikrobiell aufgebaute Futtereiweiß. Dies erfordert jedoch eine ausreichende Energieversorgung im Pansen.
Bei Energiemangel steigt ansonst der Harnstoffgehalt, welcher ein Maßstab für die Stickstoffversorgung im Pansen ist. Ein Harnstoffgehalt unter 15 mg/100 ml Milch weist auf einen Stickstoffmangel im Pansen hin, wodurch auch die Aktivität der Pansenmikroben und in weiterer Folge auch die Futteraufnahme und die Leistung zurückgeht. Bei einer ausgeglichenen ruminalen N-Bilanz im Pansen liegt der Harnstoffwert im Bereich von ca. 25 mg/100 ml.

Um das genetische Milcheiweißbildungspotential auszuschöpfen, muß daher sowohl der Eiweißbedarf der Ration als auch der Energiebedarf gedeckt sein. Fehlt es an Energie im Futter, fällt ebenfalls der Eiweißgehalt, da der größte Anteil des Futterproteins den Umweg über die Pansenbakterien nehmen muss.
Ein hoher Milcheiweißgehalt ist normalerweise kein Problem. Nur bei altmelkenden Kühen deutet ein hoher Milcheiweißgehalt auf einen Energieüberschuss hin (Gefahr der Verfettung).
Ein niedriger Milcheiweißgehalt um 3 % bei gleichzeitig niedrigem Milchharnstoffgehalt deutet sowohl auf Energiemangel als auch auf einen Mangel an nutzbarem Rohprotein hin.
Ist hingegen der Milcheiweißgehalt niedrig und der Milchharnstoffgehalt hoch (über 30 mg/100 ml), so liegt trotz Rohproteinüberschuss aufgrund mangelnder Energieversorgung ein Mangel an verwertbarem Rohprotein am Dünndarm vor.
Ein hoher Milcheiweißgehalt bei niedrigen Harnstoffwerten deutet auf Energieüberschuss und Rohproteinmangel hin, während ein hoher Milcheiweißgehalt bei gleichzeitig hohem Harnstoffgehalt auf Energie- und Rohproteinüberschuss hinweist.

Beurteilung der Eiweiß- und Harnstoffgehalte in der Milch
• Eiweiß niedrig, Harnstoff unter 15 mg/100 mg = Energiemangel und Rohproteinmangel
• Eiweiß unter 3,20 %, Harnstoff 15 bis 30  mg/100 mg = Energiemangel
• Eiweiß unter 3,20 %, Harnstoff über 30 mg/100 mg = Energiemangel und Rohproteinüberschuss
• Eiweiß mittel, Harnstoff unter 15 mg/100 mg = Rohproteinmangel
• Eiweiß 3,30 bis 3,80 %, Harnstoff 15 bis 30 mg/100 mg = ausgeglichene Fütterung
• Eiweiß 3,30 bis 3,80 %, Harnstoff über 30  mg/100 mg = Rohproteinüberschuss
• Eiweiß über 3,80 %, Harnstoff unter 15  mg/100 mg = Energieüberschuss und Rohproteinmangel
• Eiweiß über 3,80 %, Harnstoff 15 bis 30  mg/100 mg = Energieüberschuss
• Eiweiß über 3,80 %, Harnstoff über 30  mg/100 mg = Rohproteinüberschuss